Nymphenburg

Untertunnelung der Landshuter Allee – Willen zeigen oder resignieren?

Mit einer Untertunnelung der Landshuter Allee könnten bis zu 1.300 Wohnungen entstehen

Staub, Lärm und dicke Luft: die Landshuter Allee hinterlässt in Münchens 9. Stadtbezirk tiefe Wunden. Als bis zu achtspurige Fahrbahn zieht sie sich unüberwindbar quer durch den behaglichen Stadtteil Neuhausen. Kreative Lösungen gibt es und sie bringen einen Stein ins Rollen.

Die Prognosen für die Verkehrsentwicklung auf der Landshuter Allee sehen nicht sehr rosig aus: schon in zehn Jahren sollen bis zu 165.000 Fahrzeuge pro Tag den 9. Bezirk durchqueren. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Gutachtergemeinschaft, die 2012 durch die Landeshauptstadt für eine Machbarkeitsstudie beauftragt wurde.

Eine Lösung für die vehementen Schall- und Luftbelastungen würde ein knapp 1,5 km langer Tunnel bringen. Vom Ende der nördlichen Donnersbergerbrücke bis zur südlichen Rampe der Brücke über die Dachauer Straße. 537 Millionen Euro wären für eine derartige Baumaßnahme notwendig. 2,5 Millionen Euro würde der Unterhalt pro Jahr kosten.

Angesichts dieser Zahlen überraschte im Sommer letzten Jahres der Vorschlag der Gebrüder Rossius aus München. Die Projektentwickler und Bauträger reichten zusammen mit Architekt Dieter Pöhlmann bei der Stadt einen Entwurf für folgende Idee ein: Warum nicht den geschaffenen Platz über einem Tunnel zur Bebauung mit so dringend erforderlichem Wohnraum nutzen? Rolf Rossius bezeichnet die Straße als „Verbrechen ohne Gefühl und Sachverstand“. Die Neuhauser sehnen sich nach einer Lösung für die tiefen Wunden, die ihrem Stadtteil im Zuge der verkehrsplanerischen Erschließung der Olympischen Spiele 1972 zugefügt wurden.

Über der Landshuter Allee könnten bis zu 1.300 Wohnungen und sogar Grünflächen entstehen. Nachverdichtung über Verkehrsflächen: diese Idee kam im Stadtrat gut an. Zudem ist das Finanzierungsmodell interessant: die städtischen Investitionen sollen durch den späteren Immobilienerlös gedeckt werden. Dieser läge bei den geplanten 75.000 qm Wohnfläche bei ca. 80 Mio. Euro (1.100.– € / m²). Die aktuelle „Rossius Variante“ geht von einer zweispurigen Fahrbahn mit zwei Ein- und Ausfahrten aus, auf Höhe der Dachauer- und Arnulfstraße. Mit ca. 220 Millionen Euro wäre dies die wesentlich günstigere Version, als der alternative Projektentwurf, der von vier Ein- und Ausfahrten ausgeht. Er würde mehr als das Doppelte kosten.

Auch die Bürgerinitiative „Pro Landshuter Allee Tunnel“ setzt sich seit 2013 aktiv für Verbesserungsmaßnahmen entlang der Landshuter Allee ein. Die stadtweiten Diskussionen um weitere Baumaßnahmen nehmen Fahrt auf, denn die Lärm- und Emissionsprobleme entlang der Landshuter Allee sind bekanntermaßen nicht die einzigen. Neuhausen-Nymphenburg muss nun dran bleiben an der Stadtspitze, um in der Prioritätenliste nicht nach hinten zu rutschen. Die Landtagsabgeordnete für Neuhausen, Mechthilde Wittmann, setzte sich im März 2015 in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister mit Nachdruck für den Bau eines Tunnels ein: die Maßnahmen an der Landshuter Allee müssten zum Schutze der Bevölkerung höchste Priorität haben.