Schwabing

Ein Mosaik an genialen Ideen – UnternehmerTUM

UnternehmerTUM in Garching ist Münchens Zukunftslabor. Hier entstehen Erfolgsgeschichten von morgen.

Das Silicon Valley. Mekka der Zukunftsvisionen. Wo revolutionäre Erfindungen scheinbar am Fließband entstehen.

Was viele nicht wissen: Deutschland hat ein Silicon Valley. Dr. Helmut Schönenberger gründete den Campus 2002 – von Beginn an tatkräftig unterstützt von Susanne Klatten persönlich. Die Schwabing News trafen diesen visionären Kopf zum exklusiven Interview. Bei einer Tasse grünem Tee erzählt er von Münchens nationaler und internationaler Bedeutung als Hotspot für Innovationen, von Plänen und Projekten, und von einem nicht existierenden Masterplan.

Jeder spricht von Berlin. Alle wollen nach Berlin. Warum hat sich UnternehmerTUM für München entschieden?
Das spannende an München ist die Tatsache, dass es der Industriestandort Nummer 1 in Deutschland ist. BMW, Osram, viele große Mittelständler bilden eine starke Industriebasis. Außerdem ist München eine Medienstadt und ein bedeutender Universitäts- und Forschungsstandort. Noch dazu ist die Gründerszene sehr stark. All dies ergibt einen einmaligen Cluster an wissenschaftlicher Exzellenz.

Portrait von Dr. Helmut Schönenberger
Dr. Helmut Schönenberger, Foto: UnternehmerTUM GmbH / Quirin Leppert

Durch all diese Weltfirmen gibt es hier unglaublich viel Geld. Braucht man Geld für Innovation?
Auf jeden Fall. Vier große Faktoren sind wichtig für Innovation: Geld. Menschen – ohne Menschen keine Ideen. Technologisches Verständnis. Und Zugang zu Kunden, zu Märkten. München hat diese vier Komponenten. Geld ist Gott sei Dank da, leider mit der Einschränkung, dass nicht genug in junge Firmen investiert wird. Wenn es um Venture-Kapital geht, herrscht stets große Zurückhaltung.

Innovation braucht Freiraum, auch für Spinnereien. Hätte UnternehmerTUM einem Freak wie Steve Jobs zugehört?
Gerade in den letzten fünf Jahren ist die Offenheit viel größer geworden, die Risikobereitschaft, die Bereitschaft zu spielen, wenn Sie so wollen. Bei der digitalen Revolution allerdings spielte München keine führende Rolle. Die großen Mobilfunkfirmen saßen zu der Zeit eben nicht in München, sondern im Silicon Valley. So etwas darf man sich nicht allzu oft erlauben.

Mit dem geplanten Gründer-zentrum im Schwabinger Kreativquartier gibt es UnternehmerTUM bald auch in der Innenstadt. Wie gehen Sie mit den stetig steigenden Mietpreisen um? Dies stellt wohl durchaus ein Problem für junge Leute dar.
Das können wir allerdings bestätigen. Wenn man experimentieren will, braucht man Freiheiten – auch finanziell. Wenn man allein für die Wohnung im Monat 1.000 Euro hinlegen muss, ist das schon ein Hindernis. Dessen muss sich München bewusst sein. Die Kreativen dürfen nicht aus München vertrieben werden. Das Kreativquartier ist schonmal ein guter Ansatz. Hier sollen die Leute einen Ort der Kreativität und gleichzeitig ein Zuhause haben.

 

Wenn man experimentieren will, braucht man Freiheiten – auch finanziell.

 

Gibt es Pläne für integrierte Wohnheime im Kreativquartier oder steht eher der Campus-Gedanke im Vordergrund?
Was Bürgermeister Reiter, Frau Klatten und Frau Aigner angekündigt haben, ist ja erstmal ein Startup-Center, bei dem das Experimentieren und das Umsetzen im Vordergrund steht. Uns allen ist klar, dass wir Lösungen zum Thema Wohnraum brauchen. Wir blenden das nicht aus, sondern arbeiten daran. Gleichzeitig ist es aber eine gesamtstädtische Herausforderung.

Auch im Hinblick auf den Verkehr stehen spannende Zeiten bevor. Der mittlere Ring ist die stauanfälligste Straße der Bundesrepublik. Niemand hätte das von München gedacht. Gehen Sie auch solch lokale Probleme an? Gibt es Ideenwettbewerbe?
Wettbewerbe schreiben wir natürlich aus. Und wir bieten den Startup-Teams Angebote für alle Phasen der Gründung. Beispielsweise ein „Incubator-Programm“ – ein Gewächshaus für neue Ideen – sowie ein „Accellarator-Programm“, das Startups schneller zum Erfolg führt, indem es sie mit Kunden oder Investoren vernetzt.

BMW hat kürzlich sein Programm „next 100 years“ vorgestellt. Finden diese Entwicklungen auch hier im Haus statt?
Hier entstehen genau die Ideen, die für BMW oder Siemens hochinteressant sind. Das Start-up „ParkHere“ baut Parkplatzsensoren für bessere Auslastung – ein riesen Thema. Das ist dann ein Element, ein Baustein für die Mobilität der Zukunft. Ein anderes ist die Lade-Infrastruktur oder Informationssysteme für die optimale Verbindung von Mobilitätsformen. Aber es ist so: wir haben nicht den großen Masterplan. Wir haben einzelne Startups, die Lösungen entwickeln. So entsteht ein Mosaik an Lösungen: Parkplatzsensoren, Ladesäulen, Effizienzoptimierung beim Auto, bessere Batterien etc. Wir kultivieren viele Pflänzchen und hoffen, dass aus einigen große Bäume werden.

Stehen Sie im Austausch mit internationalen Universitäten?
Wir haben ein Netzwerk von führenden Entrepreneurshipcentern weltweit. Beispielsweise die Stanford University im Silicon Valley oder die Tsinghua Uni in Peking. Mit ihnen haben wir sehr, sehr enge Beziehungen. Auf der Welt gibt es in etwa 15 bis 20 dieser cutting edge Center. Was aber ebenfalls sehr wichtig ist: auch in München arbeiten wir eng mit dem LMU Entrepreneurshipcenter und dem Strascheg Center der Hochschule München zusammen. Wir sind der Überzeugung, dass man ein starkes, zukunftsfähiges Ecosystem nur gemeinsam aufbauen kann.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview und wünschen alles Gute für die Zukunft.

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