Kolumne

Nichts ist beständiger als der Wandel

Das Schöne an München und das, was wir alle schätzen am Millionendorf an der Isar, ist die Tatsache, dass sich nichts tut.

Alles bewegt sich, die Stadt lebt in ihrem ewigen Treiben, in jedem Monat fallen ihr neue Dinge ein und dennoch, es ändert sich irgendwie nichts. Einmal im Jahr findet die Wiesn statt und die restlichen 50 Wochen bleibt alles beim Alten – ist das so? Wer sich im Leben den Luxus gönnt, München mal für ein paar Jahre, ja es darf sogar ein Jahrzehnt sein, den Rücken zu kehren, der wird sich nach seiner Rückkehr augenblicklich wieder heimisch fühlen und praktisch alles wiedererkennen. Und zwar dort, wo und wie er es in Erinnerung hatte. Wir Menschen lieben Konstanten, das mag einer der unendlich vielen Reize sein, die Bayern hat, die die Landeshauptstadt offeriert. Doch halt: es tut sich etwas.

Ein Boulevard-Blatt betitelte mal den Berliner mit „Ben Becker droht Mitte mit Zuzug“. Mir nicht verständlich, ich hätte den Paradiesvogel gerne in meiner Nachbarschaft, in dem festen Wissen: es wird sich etwas rühren und bewegen. Das vermeintlich ach so hippe Berlin fürchtet sich wohl vor zu viel Action oder Wandel. Naja, so „in“ sie auch sein mögen, die Hauptstädtler, so gerne halten sie sich fest an einem Stück Bayern.

Das lässt sich spätestens an der erfreulich hohen Dichte an Augustiner Bier in den vermeintlichen In-Gegenden ablesen. Schon hip und cool, aber dann doch eher auf Altbekanntes vertrauen, wenn es von hoher Qualität sein soll. Das erklärt ja auch, wieso in Berlin in starkem Kontrast zu München kein einziges DAX Unternehmen seine Heimat gefunden hat.

 

München, das ist personifiziert quasi der völlig unkomplizierte Freund, mit dem man Jahre nicht gesprochen hat und mit dem es sich dann nach drei Minuten Gespräch anfühlt, als hätte man sich keinen einzigen Tag aus den Augen verloren.

 

Umsatz, das kann man an der Spree, Gewinn, das kann der Rest der Republik. So kann es gehen: All people make us happy, some by coming, others by leaving. Spätestens nach der Wiesn sind wir Münchner wieder froh, wenn ein guter Teil derer, die uns in unserer bayerischen Idylle überfallen haben, die Isarmetropole wieder verlassen haben. Doch halt, wir Münchner lieben schon die Melange, das Bunte, den Wandel, die neuen Gesichter. Spätestens, wer einmal die Alpentäler südlich der Isar besucht hat, merkt, was sonst geschieht. Man lernt, was droht, wenn diese Abwechslung ausbleibt, wenn der Inzest, und sei es nur der gesellschaftliche Gossip-lastige, Überhand nimmt. Exakt das ist es nicht, was unser München ausmacht, und somit freut sich der Bayerische Hauptstadtbewohner am Wandel und der Abwechslung.

Variatio delectat, vor allem, so lange es Variatio und nicht Mutatio, also eher Wandel, statt echter Veränderung ist. Also liebe Herzogparkler, liebe Alt-Bogenhausener, lassen Sie uns den Erhalt der Substanz fördern und gleichzeitig Neuem offen gegenübertreten.

Denn ein Stückerl weit leben wir schon von der oxymoronischen Entwicklung zwischen Kontinuität und der Beständigkeit. Wie schon Franz-Josef-Strauß sagte: „Konservativ sein bedeutet, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren.“

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