Zentrum

Nachverdichtung vs. Freiräume in München

Kriegslücken gibt es nicht mehr in München – nun ist Nachverdichtung angesagt. In den betroffenen Vierteln sorgt das für Spannungen.

Offene Bauweisen werden geschlossen, immer mehr Häuser in zweiter Reihe beantragt oder aufgestockt, jüngere Bebauungen wieder abgerissen und ersetzt. Das ständige Nachverdichten von bereits bebauten Flächen u.a. in Bogenhausen zeigt den immensen Druck auf die wirtschaftliche Verwertung von Baugrundstücken.
Die Stadt als Genehmigungsbehörde steckt da in einer Zwickmühle: Zum einen ist zusätzlicher Wohnraum politisch willkommen. Zum anderen kann man die negativen Auswirkungen der Nachverdichtung nicht ignorieren: Nicht selten entsteht zwar bei einer Neubebauung mehr Fläche. Doch tatsächlich nutzen weniger Bewohner diese größeren und luxuriöseren Wohnungen, oft als Zweit- oder Drittwohnsitz, kaum noch Familien mit Kindern.
Die Ausweisung von Gebieten der Stadterhaltung versucht dem entgegen zu wirken, ist aber nur teilweise erfolgreich und bedeutet große bürokratische Hindernisse.
Andere Steuerungsinstrumente der Stadtplanung sind ständig auf dem Prüfstand. Der Versuch der einheitlichen Vergrößerung von seitlichen Abstandsflächen über die sog. „Gartenstadtsatzung“ wurde schon 2003 durch den Verwaltungsgerichtshof gekippt. Vor den Anforderungen an eine verbindliche oder wenigstens nachträgliche Bauleitplanung drückt sich die Stadt aber konsequent. Zu hoch das Lehrgeld in Form von Entschädigungsansprüchen und gekippten Satzungen, welches eine Stadt mit hohem Entwicklungsdruck und findigen Planern und Juristen zahlen müsste. Übrig bleibt oft nur die spitzfindige Auslegung des „Sich Einfügens“ in die umgebende Bebauung. Ein einziger Paragraph des Baugesetzbuches, der „34er“ , dient nun in bundesweit einmaligem Ausmaß als Richtschnur für die Erlaubnis oder das Verweigern zusätzlicher Flächen. Ständig wird diskutiert: Geht das noch? Wo sind die Grenzen? Das führt in den Quartieren der Stadt teilweise zu schwer nachvollziehbaren Ergebnissen. Hier führt eine Nachkriegsbausünde zu einem Präzedenzfall. Dort verteidigt die Stadt erfolgreich durch alle Instanzen einen Innenhof gegen Bebauung.

Architekt Stefan M. Larass

All dies führt zu nicht unerheblichen Spannungen in den Stadtteilen. Die, die schon im Quartier wohnen, wollen um jeden Preis eine weitere Verdichtung verhindern und sorgen sich um ihr grünes und locker bebautes Umfeld. Die, die kritisierte Neubauten gekauft haben und bald bewohnen werden, schließen sich alsbald dieser Ablehnung der weiteren Bebauung an. So ist die Nachverdichtung ein ständiges Ringen um die Qualität nicht nur der Gebäude, sondern auch der Freiräume, die diese unsere Stadt lebenswert gestalten.

Wir danken Herrn Stefan M. Larass von Larass Architekten für diesen Beitrag zu den „Bogenhausen News“ – die Stadtteil Zeitung von Duken & v. Wangenheim