Bogenhausen

Bogenhausen – ein Zaubergarten

Ich kann nicht anders: ich bin voll Liebe und Leidenschaft für diesen Münchner Stadtbezirk Nummer 13 – Nina Ruge

Schließlich wurde ich in den ersten fünf Jahren meines Lebens von der illustren  literarischen Aura des Hauses in der Mauerkircherstraße 13 geprägt. Dort hatten meine  Eltern 1956 mit Mörderglück über das Wohnungsvergabe-Amt eine Mietwohnung  ergattert. Dort, wo Thomas Mann mit Frau und Kindern residiert hatte! Und nachdem er umgezogen war, in den Herzogpark, Poschingerstraße 1, da formulierte er sie, die Losung meiner Liebe und Leidenschaft für dieses wunderbare Bogenhausen: „Das ist
kein Wald und kein Park, das ist ein Zaubergarten – nicht mehr und nicht weniger“.

Diese Losung entstammt Manns Novelle „Herr und Hund“ und so wandern wir jetzt auch zu dritt durch diesen Zaubergarten: meine Schweizer Sennenhunde Lupo und Vroni, und ich. Unser Lieblings-Zauberpfad führt uns zunächst an der ehemaligen Königlichen Sternwarte vorbei, die heute zur TU München gehört: Huh! Da geht es um „Heiße Sterne“ und „Extragalaktische Astronomie“… und wir drei denken dann immer an den ‚Kleinen Prinzen‘ von Antoine Saint-Exupéry: „Die Sterne sind schön, weil sie an eine Blume erinnern, die wir nicht sehen“…

Ja, dann schweben wir unfallfrei über die heftig befahrene Ismaninger Straße in einen parkähnlichen Garten, wo es sich wunderbar schnüffeln lässt – und uns die Villa August Everding mitsamt der Bayerischen Theater Akademie und ihren sympathisch-extravaganten Studenten schon wieder auf höhere Ebenen entführt …
Und dann erst die Heimstatt der schönen Seelen! Hoch erhobenen Hauptes traben wir am Prominenten-Friedhof der St. Georg Pfarrkirche vorbei, wo ein Mensch nur dann auf ewig bleiben darf, wenn er die Menschheit wirklich beglückte … und wo Hunde streng verboten sind.
Also dann. Es locken die Maximiliansanlagen! Eine wunderbare Zauberwelt mitten in München am Ufer der Isar. Trampelpfade gibt es da, ein Traum! Schnüffeln, toben, und ewig winkt der güldene Friedensengel herüber.

Ja, dann wandeln wir doch weiter durch die Parkanlage des Grafen Montgelas und edle Straßenzüge zum Kufsteiner Platz, wo Mensch und Hund beim Feinkostladen beste Verköstigung erfahren.
Und wenn wir richtig viel Zeit haben, dann verkrümeln wir uns auf ganz geheimen Pfaden. Da tauchen wir hinter dem ehemaligen Klohäuschen ab: „Daherkomma“ heißt das und ist ein ultracooles Mini-Restaurant. Über den Simmsteig, entlang der  Kolbergerstraße kann man unterhalb des Walles bis nach Johanneskirchen laufen – und kein Auto kreuzt den Weg!

Bogenhausen, der Zaubergarten. Nach jedem Ausflug in diese wunderbare Welt für Spür- und Menschennasen fällt uns beim Nachhausekommen – na, wer schon – ein? Thomas Mann! Denn Bogenhausen ist in Wahrheit eine Bewusstseinsschule! Exakt zitiert heißt das bei Mann: „Zum Bewusstsein kommen heißt: ein Gewissen bekommen. Heißt wissen, was gut und böse ist.“ Wo, wenn nicht in Bogenhausen?

Ein Beitrag aus der dritten Ausgabe der „Bogenhausen News“ – publiziert von Duken & v. Wangenheim

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