Solln

65 Jahre Golf in Thalkirchen

Der „Old Course“ des Münchener Golf Clubs ist kein bisschen unmodern.

1910 gründete eine Handvoll illustrer Golf-Enthusiasten von bayerischer, englischer und amerikanischer Herkunft den Münchener Golf Club. Im nördlichen Stadtteil Freimann befand sich in den ersten Jahrzehnten die ursprüngliche golferische Heimat – ein schlichter überschaubarer 9-Loch-Platz zwar, aber Bayerns Erster.

Wo heute große Ausfallstraßen und eine Autobahnbrücke nichts mehr von den beschaulichen Anfängen erahnen lassen, entwickelte sich der MGC trotz des ersten Weltkrieges und folgender Wirtschaftsdepression stetig weiter. Interessant die damaligen Mitgliederzahlen: Ende 1910 waren es schon 96, direkt nach dem ersten Weltkrieg gerade noch 46, anno 1922 stand man dann dank intensiver Neumitgliederwerbung bei 128. Damals las sich die Zeitungsankündigung so: „Der Münchener Golf Club macht Interessenten auf seinen dritten diesjährigen Nachmittagstee mit Musik, der am Sonntag, 9. Juli, auf seinem Platz an der Ungererstraße stattfindet, aufmerksam. Wer etwas Interesse für Rasensport hat und nicht ganz unempfindlich für Naturreize ist, wird nicht enttäuscht werden“. Ein reges Turniergeschehen entstand schon recht bald und 1925 zelebrierte man mit internationalen Teilnehmern die Erstauflage der noch heute jährlich ausgetragenen Münchener Golf Woche.

Den heiteren Jahren folgte die düstere NS-Zeit mit dem Verlust des Golfplatzgeländes, wo eine Fliegerkaserne und eine Kleingartenanlage gebaut wurden. Nach Jahren teils kurios anmutender Übergangslösungen als geduldete Gäste im GC Feldafing und auf dem Trainingsgelände des TSV 1860 München fand der MGC 1950 schließlich seine neue Heimat in den Isarauen in südlichen Stadtteil Thalkirchen. Ein junger Mann, der noch heute als Ehrenmitglied im Club präsent ist, hat auf einer Radtour das idyllische Fleckchen entdeckt. So idyllisch, erinnert er sich, dass das dort vorhandene dichte Gestrüpp als Lagerplatz für Diebesgut berüchtigt war. Die Stadt München (als Verpächter) und die Polizei waren daher sehr froh, dass dieses Gelände durch einen Golfplatz „saniert“ wurde.

Zwischen der Unterschrift auf dem Pachtvertrag und dem Eröffnungszählwettspiel am 19.09.1951 lagen keine 12 Monate. Die golfhungrigen MGC´ler hatten es verständlicherweise eilig, endlich wieder auf einem richtigen Heimatplatz zu spielen. Da störte es auch nicht, dass zunächst nur 4 Löcher bespielbar waren, kurz darauf immerhin 6. Ein paar weitere Zahlen aus der Anfangszeit in Thalkirchen: Die Mitgliederzahl lag 1952 bei 80, davon 50 männlich, 26 weiblich, 6 Jugendliche und 6 Studenten. Eine volle Unterrichtsstunde kostete 4 DM, die Tageskarte für den Platz werktags 5 DM, an den Wochenenden musste man dafür schon 8 DM berappen.

Nach und nach wurden die fehlenden Puzzlestücke „Clubhaus“ und „Löcher 7 – 9“ eingefügt, und es entstand das Gesamtbild einer charmanten parkähnlichen Golfoase mitten in der Millionenstadt. Maßgeblich für den gelungenen Wiederanfang und die enorme Entwicklung des Münchener Golf Clubs in dieser Zeit war Dr. Hermann Römer, der von 1940 bis zu seinem Tod 1966 als Clubpräsident wirkte. Er war auch treibende Kraft bei der Planung und Umsetzung des ursprünglich 18-, jetzt 27-Loch Platzes in Straßlach. Der Münchener Golf Club hat in den letzten Jahren viel in die Platzqualität investiert, und dabei vernünftiger weise seinen kleinen Stadtkurs nicht vernachlässigt. Es zeigt sich nämlich immer mehr, dass zeitsparendes 9-Loch-Golfspiel in attraktivem Ambiente und Citylage die Ansprüche des modernen Golfers passgenau erfüllt.